Seit Oktober 2020 verbindet naturundgut.ch zwei Dinge, die gut zusammenpassen: handgefertigte Naturwachskerzen aus einer sozialen Werkstatt in Zürich und den Wunsch, das alles so umweltverträglich wie möglich zu machen. Unsere Kerzen entstehen in der Kerzenmanufaktur des Vereins Zürcher Eingliederung, wo Menschen mit kognitiven und psychosozialen Beeinträchtigungen aus Bienenwachs, Rapswachs und Olivenwachs echte Handwerksarbeit leisten.
Jetzt haben wir einen weiteren Schritt gemacht: Im November 2025 haben wir am Öko-Kompass-Beratungsprogramm der Stadt Zürich teilgenommen. Das Ergebnis: ein konkreter Massnahmenplan, den wir in den nächsten Monaten umsetzen werden.
Was ist der Öko-Kompass?
Der Öko-Kompass ist ein kostenloses Beratungsangebot der Stadt Zürich für kleine und mittlere Unternehmen. Unabhängige Fachleute schauen sich den Betrieb an, zeigen auf, wo Energie und Ressourcen verschwendet werden, und empfehlen konkrete, umsetzbare Massnahmen. Betrieben wird das Programm seit 2009 vom Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich (Quelle: stadt-zuerich.ch/oeko-kompass).
Unser Berater Stefan Frei hat die Manufaktur besucht und hat einen orangen Umweltscore vergeben. Das klingt nach Mittelfeld, ist aber ehrlich: Wir machen schon einiges richtig, haben aber noch klaren Spielraum nach oben.
Was wir bereits gut machen
Bevor wir über neue Massnahmen sprechen: Es gibt schon einiges, worauf wir stolz sein können.
Die Beleuchtung in der Werkstatt läuft auf LED. Die Bienenwachsschmelzöfen sind mit Tageszeitschaltuhren ausgestattet, laufen also nicht unnötig durch. Bei den Verpackungen haben wir konsequent auf Karton und Holz umgestellt, Luftpolsterfolie wurde durch Recycling-Stopfmaterial ersetzt. Und Wachsreste? Die werden intern in vielen Varianten wiederverwertet, weggeworfen wird so wenig wie möglich.
Die Auslieferungen an grössere Abnehmer werden koordiniert, damit unnötige Fahrten wegfallen. Und über Kooperationen wie mit together-Design optimieren wir laufend auch die Verpackungslösungen weiter.
Was wir als nächstes anpacken
Der Berater hat drei Bereiche hervorgehoben, in denen wir konkret nachlegen können.
Recyclingwachs-Anteil erhöhen Wir wollen aktiv bei kleinen Läden anfragen, ob sie Wachsreste sammeln und uns bei der nächsten Lieferung mitgeben können. Das schliesst den Kreislauf: Kerzenreste, die sonst im Abfall landen, kommen zurück in die Produktion. Plattformen wie unverpacktschweiz.org können dabei helfen, passende Partner zu finden. Ziel: bis Mai 2026 einen funktionierenden Rücklieferungsweg aufzubauen.
Recyclingkerzen als Kreativprojekt für Mitarbeitende Das ist das Projekt, das mir persönlich am meisten gefällt: Wir planen eine eigene Kollektion im Shop, bei der unsere Mitarbeitenden Recyclingkerzen individuell gestalten. Der Aufkleber lautet dann: “Diese Recyclingkerze wurde für Dich von Mitarbeiterin [Name] kreiert.” Das macht aus einem ökologischen Gedanken etwas Persönliches und gibt den Menschen, die diese Kerzen herstellen, ein Gesicht. Umsetzung bis April 2026.
Elektroauto statt Diesel für Auslieferungen Die Lieferungen nach Basel und Bern werden bisher mit einem Diesel-PKW gemacht. Im Quartier gibt es mehrere mobility.ch-Standorte mit Elektrofahrzeugen. Ein Mobility-Abo ist die einfachste Lösung, um das ab März 2026 umzustellen.
Die etwas grösseren Baustellen
Neben den drei Kernmassnahmen gibt es weitere Punkte, die mehr Aufwand brauchen, aber auch mehr bringen:
Die Lüftung in der Werkstatt muss wegen der Wachsdämpfe permanent laufen. Gleichzeitig geht dadurch viel Wärme verloren. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung würde dieses Problem lösen, ist aber ein grösserer Umbau. Geplant bis Ende 2026.
Die Wasserkessel für die Bienenwachsschmelzen laufen aktuell auf Tageszeitschaltuhren, laufen also am Wochenende weiter. Eine Wochenzeitschaltuhr wäre eine kleine Investition mit direkter Wirkung auf den Stromverbrauch. Bis Juni 2026.
Und dann ist da noch die Wachswahl. Im Beratungsbericht wurden die CO2-Fussabdrücke verschiedener Wachsarten verglichen (Quelle: Öko-Kompass-Beratungsbericht, November 2025). Bienenwachs liegt bei rund 2,4 kg CO2e pro Kilogramm, Rapswachs bei 2 bis 2,3 kg, Olivenwachs bei 1,2 bis 2 kg. Das fliesst in unsere Einkaufsentscheidungen mit ein.
Warum das alles zusammenpasst
Unsere Manufaktur ist kein normaler Betrieb. Sie ist ein Ort, an dem Menschen mit Unterstützungsbedarf echtes Handwerk lernen und ausüben. Der soziale Auftrag und der ökologische Anspruch schliessen sich dabei nicht aus, sie verstärken sich gegenseitig.
Recyclingkerzen, die von Mitarbeitenden individuell gestaltet werden, sind nicht einfach “nachhaltig”. Sie erzählen eine Geschichte, die Wert hat. Wachs, das im Kreislauf bleibt, ist nicht nur gut für die Umwelt, es ist auch ein Zeichen dafür, dass wir wissen, was wir tun und warum.
Wer uns dabei begleiten möchte: naturundgut.ch zeigt die Recyclingkerzen-Kollektion, sobald sie bereit ist.
Quellen: Öko-Kompass Beratungsbericht November 2025 (myclimate / Stadt Zürich); Stadt Zürich Öko-Kompass Programm (stadt-zuerich.ch/oeko-kompass); naturundgut.ch